Warum Tubeless fahren?
Schlauchloses Fahren ist längst der Standard für ernsthafte Mountainbiker – und das aus gutem Grund. Ohne Schlauch kannst du deutlich niedrigere Luftdrücke fahren, ohne das Risiko von Durchschlagplatten. Das bedeutet direkt mehr Grip, besseren Fahrkomfort und schnelleres Rollen auf rauem Terrain. Flüssige Dichtmilch im Reifen versiegelt kleine Einschläge automatisch auf dem Trail – oft ohne dass du es überhaupt merkst.
Ob du einen Continental Cross King 29x2.30" Tubeless Ready oder einen Maxxis Rekon Race TR fährst – dieser Guide führt dich durch den kompletten Umrüstprozess von Anfang bis Ende.
Was du vor dem Start brauchst
Eine erfolgreiche Tubeless-Umrüstung erfordert die richtigen Komponenten. Hier ist alles, was du zusammenstellen solltest:
Die wichtigsten Tubeless-Komponenten
- Tubeless-Ready-Reifen: Achte auf „TR“, „TLR“ oder „Tubeless Ready“ im Reifennamen. Der Continental Cross King 2.6" TLR und der Continental Race King 27.5" TLR sind ausgezeichnete Optionen für Trail- bzw. XC-Fahrer.
- Tubeless-Ready-Felgen: Deine Felge muss einen tubeless-kompatiblen Wulstsitz haben. Laufräder wie das Sunringle Duroc 30 PRO 29" oder das Sunringle Expert 27.5" sind ab Werk tubeless-ready.
- Tubeless-Felgenband: Versiegelt die Speichenlöcher. Das Schwalbe Tubeless Felgenband 32mm ist eine zuverlässige, einfach aufzubringende Option mit bis zu 12 bar Druckfestigkeit.
- Tubeless-Ventile: Ersetzt das Standard-Schrader- oder Presta-Ventil. Im Speedkit Tubeless Kit ist alles enthalten, was du brauchst.
- Dichtmilch: 60–120 ml pro Reifen je nach Volumen. Vor der Verwendung gut schütteln.
- Reifenheber: Die Schwalbe Reifenheber (3er-Set) erleichtern das Montieren enger Tubeless-Reifen erheblich, ohne Felge oder Reifen zu beschädigen.
- Standpumpe oder Kompressor: Für das schnelle Einspannen des Wulstes unbedingt erforderlich.
Schritt 1: Alten Reifen und Schlauch entfernen
Zunächst den Reifen vollständig ablassen und mit den Reifenhebern von der Felge nehmen. Den Schlauch herausziehen – du brauchst ihn nicht mehr (als Notfallreserve für den Trail aufheben). Das Felgenbett gründlich mit Isopropylalkohol reinigen, um Fett, Schmutz oder altes Felgenbandmaterial zu entfernen. Eine saubere Oberfläche ist entscheidend für die Haftung des neuen Felgenbands.
Felgenkompatibilität prüfen
Vor dem Weitermachen bestätigen, dass deine Felge tubeless-kompatibel ist. Achte auf die Aufschrift „TLR“, „UST“ oder „Tubeless Ready“ an der Felgenflanke. Asymmetrische oder hakenlose Felgen erfordern spezifische Reifenkompatibilität – immer vor der Montage prüfen.
Schritt 2: Tubeless-Felgenband aufbringen
Das Felgenband ist das Fundament eines zuverlässigen Tubeless-Setups. Es versiegelt die Speichenlöcher und schafft einen luftdichten Kanal für den Reifenwulst.
Felgenband richtig aufbringen
- Gegenüber dem Ventilloch beginnen. Das Band fest in den Mittelkanal des Felgenbetts drücken.
- Rund um die Felge arbeiten und das Band dabei leicht dehnen, um vollständigen Kontakt mit den Felgenbettwandungen sicherzustellen.
- Den Startpunkt um mindestens 5 cm überlappen.
- Mit dem Daumen fest über die gesamte Länge streichen, um Luftblasen herauszudrücken.
- Für zusätzliche Sicherheit bei Hochdruck- oder aggressivem Fahren eine zweite Lage Felgenband aufbringen.
- Mit einem spitzen Werkzeug (Ahle oder Ventilkernwerkzeug) das Band am Ventilloch durchstechen – nicht schneiden oder reißen.
Die richtige Bandbreite für deine Felge verwenden – es sollte das gesamte Felgenbett abdecken, ohne den Wulstsitz zu überlappen. Das Schwalbe 32mm Tubeless Felgenband passt für die meisten 29"- und 27,5"-MTB-Felgen mit Innenbreiten von 25–30 mm.
Schritt 3: Tubeless-Ventil einbauen
Das Tubeless-Ventil durch das gestochene Loch im Felgenband einführen. Die Gummibasis muss flach und bündig am Band anliegen – das ist die primäre Luftdichtung am Ventil. Die Sicherungsmutter handfest anziehen, aber nicht überdrehen, da dies die Gummibasis verformen und Undichtigkeiten verursachen kann. Das Speedkit Tubeless Kit enthält Ventile, Felgenband und Dichtmilch – eine praktische All-in-One-Lösung für die erste Umrüstung.
Schritt 4: Reifen (trocken) montieren
Zunächst eine Seite des Reifens auf die Felge aufziehen, dann die zweite Flanke – aber einen Abschnitt der zweiten Flanke (ca. 20–30 cm) offen lassen, um im nächsten Schritt Dichtmilch einzufüllen. Kein Schmiermittel in diesem Schritt verwenden. Tubeless-Ready-Reifen haben einen engeren Wulst als Standardreifen, daher kann dies etwas Kraft erfordern. Die Schwalbe Reifenheber helfen bei hartnäckigen Wulsten, ohne Schäden zu riskieren.
Laufrichtung beachten
Den Laufrichtungspfeil an der Reifenflanke vor der Montage prüfen. Die meisten MTB-Reifen sind richtungsgebunden – falsch montiert verlierst du erheblich an Brems- und Kurvengrip. Der Maxxis Rekon Race 120TPI und der Continental Cross King TLR haben beide klare Laufrichtungsmarkierungen an der Flanke.
Schritt 5: Dichtmilch einfüllen und Wulst einspannen
60–120 ml Dichtmilch durch den offenen Abschnitt der Reifenflanke direkt in den Reifen gießen. Bei größeren Reifenvolumen (2.4" und größer) mehr Dichtmilch verwenden. Danach den verbleibenden Flankenabschnitt auf die Felge aufziehen.
Wulst einspannen
Das ist der entscheidende Schritt. Du brauchst einen schnellen Luftstoß, um den Wulst in den Wulstsitzkanal der Felge zu drücken:
- Ventilkern herausschrauben (Ventilkernwerkzeug verwenden), um den Luftdurchfluss zu maximieren.
- Mit Standpumpe oder Kompressor schnell aufpumpen, bis zwei deutliche „Knall“-Geräusche zu hören sind – je eines pro Wulst.
- Ventilkern wieder einschrauben und auf den Zieldruck aufpumpen.
- Wenn der Wulst mit der Standpumpe nicht einspringt, liefert ein CO₂-Inflator oder Kompressor den nötigen Luftstoß.
Wenn der Wulst sich schwer einspannen lässt, hilft etwas Seifenwasser rund um den Wulstbereich, damit er leichter in Position gleitet.
Schritt 6: Dichtmilch verteilen
Sobald der Wulst eingespannt und der Reifen aufgepumpt ist, das Laufrad in alle Richtungen schütteln und drehen, um die gesamte Reifeninnenseite mit Dichtmilch zu benetzen. Besonders auf die Flanken achten. Das Laufrad drehen, aufprallen lassen und auf beiden Seiten jeweils 30 Sekunden flach hinlegen. So stellt man sicher, dass die Dichtmilch jede Mikroporosität im Reifenunterbau abdeckt und eine luftdichte Versiegelung entsteht.
Tubeless-Luftdrucktabelle
Einer der größten Vorteile von Tubeless ist die Möglichkeit, niedrigere Luftdrücke zu fahren. Hier sind Ausgangswerte – je nach Körpergewicht, Gelände und Gefühl anpassen:
| Fahrergewicht | Vorne (bar) | Hinten (bar) |
|---|---|---|
| Unter 70 kg | 1,3–1,6 | 1,4–1,7 |
| 70–90 kg | 1,5–1,8 | 1,6–1,9 |
| Über 90 kg | 1,7–2,0 | 1,8–2,1 |
Nie unter 1,2 bar beim Trail-Fahren gehen – zu wenig Druck und der Wulst kann bei harten Kurveneinschlägen von der Felge springen. Als Notfallreserve auf dem Trail immer einen Schwalbe Air Plus Schlauch im Rucksack mitführen.
Häufige Tubeless-Probleme und Lösungen
Reifen hält über Nacht keine Luft
In den ersten 24–48 Stunden normal, während die Dichtmilch aushärtet. Auf Druck auffüllen und fahren – die Dichtmilch versiegelt Mikroporosität durch den Fahrbetrieb. Wenn der Druckverlust nach 48 Stunden anhält, Ventilbasis und Felgenband auf Lücken prüfen.
Dichtmilch tritt aus der Flanke aus
Das Laufrad so drehen, dass die undichte Stelle unten liegt, und Schwerkraft sowie Dichtmilch arbeiten lassen. Wenn es anhält, mehr Dichtmilch über das Ventil nachfüllen (vorher Ventilkern herausschrauben).
Wulst springt nicht ein
Sicherstellen, dass der Reifen vor dem Aufpumpen im Felgenbett zentriert ist. Ein dünner Streifen Seifenwasser rund um beide Wulste hilft. Für einen schnelleren Luftstoß einen Kompressor oder CO₂-Inflator verwenden, wenn die Standpumpe nicht genügend Druck erzeugt.
Bereit für Tubeless?
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Brauchst du Hilfe beim Tubeless-Setup?
Unser Team rüstet jedes Bike, das wir bauen, auf Tubeless um. Wenn du nicht weiterkommst oder Unterstützung brauchst, melde dich bei uns – wir helfen dir Schritt für Schritt.

















































































